Unsere Streuobstwiesen

Die Region um das Elbtal weist seit jeher sehr günstige klimatische Bedingungen für den Obst- und Gemüsebau auf. Die ausgeprägte landwirtschaftliche Nutzung von Streuobstwiesen geht auf die Zeit zurück, als die Grünlandnutzung, z.B. durch Schafbeweidung und die Obstgewinnung für die Bauernhöfe, eine wichtige Kombination zur Selbstversorgung war. Diese doppelte Nutzung der Fläche machte es erforderlich, eben die typischen hochstämmigen Obstbäume zu verwenden, damit die Menschen und nicht die Tiere das Pflücken des Obstes übernehmen konnten. Die geernteten Früchte wurden eingekocht, gemostet, zu Mus verarbeitet, eingefeimt oder deckten einfach als Tafelobst den Vitaminbedarf der Familien. In selteneren Fällen wurde das Obst zur Spirituosenherstellung genutzt.

Vielerorts zeugen die Restbestände solcher großen Obstwiesen, meist hinter den Bauernhöfen angelegt, von dieser Zeit. Trotzdem sie heute in der Landwirtschaft praktisch keine Bedeutung mehr haben, sind sie als wertvolle Kulturlandschaft dennoch schützenswert.

Der Verein hat die in der Gemeinde Hirschstein wesentlichsten Flächen, welche noch über schützenswerte Obstgehölzbestände verfügen, gepachtet oder per Nutzungsverträge an sich gebunden. Somit wird es möglich, zunächst die Restbestände der Obstsorten zu erfassen. Die Sortenerfassung hält stets einige Überraschungen bereit. Die meisten Obstwiesen bestehen aus sorgsam ausgewählten und zusammengestellten Obstsorten, welche einst höchstmögliche Vielfalt und Langfristigkeit des Obstertrages das ganze Jahr über sicherte. Oft gab es z.B. von jeder Apfelsorte nur einen Baum, beginnend mit den frühen Klar- und Kornäpfeln, bis hin zu den späten dunkelroten Weihnachtsäpfeln, welche als Lagerobst bis weit ins neue Jahr verwertet wurden. Gleiche Vielfalt ist ersichtlich bei den Kirschen, Birnen und Pflaumen.

Beeindruckend ist auch die einstige Arbeit der Obstgärtner, welche nicht selten an einem Baum bis zu drei oder vier verschiedene Sorten aufgeedelt haben. Einige Apfel- und Birnenbäume tragen somit an einem Stamm frühe, mittlere und späte Früchte unterschiedlichster Sorten.

Bei der Sortenbestimmung kommt es zur nächsten Überraschung: Einige der Bäume scheinen zu den letzten zu gehören, welche überhaupt noch in der Region existieren. Gerade bei den Kirschbäumen gab es besondere Züchtungen, die regional begrenzt gepflanzt wurden. Somit besteht hier für den Erhalt der speziellen Züchtungen besondere Verantwortung.

Durch die langfristige Nutzung der alten Obstwiesen ist es dem Verein möglich, gezielt in Nachpflanzungen zu investieren um die typische Streuostwiesenstruktur und gleichzeitig die Sortenvielfalt innerhalb der Bestände zu erhalten. Die Verjüngung und Nachpflanzung ist dringend notwendig, da in den vergangenen 20 Jahren praktisch keine Pflanzungen erfolgt sind und die Überalterung der Obstwiesen zum flächenhaften Zusammenbrechen der Obstbestände führt. Die Obstverwertung erfolgt ebenfalls über den Verein, insbesondere durch die Vermostung. Der Saftverkauf stellt einen wichtigen Punkt in der Sensibilisierung der Region und seiner Bewohner dar. Durch das Wecken des Bewusstseins für Produkte aus dem engsten Umfeld entsteht wieder die Wertschätzung für das Produkt (Most) und die Fläche (Obstwiese). Durch die extensive BIO-Grünlandbewirtschaftung wird die Wiesenpflege gesichert. Der BIO-Heuverkauf refinanziert die jährlich notwendige und sehr aufwendige Pflege der Streuobstbestände.